Kurzbericht

Wissenschaftskommunikation in Zeiten der Postfaktizität

Das wissenschaftliche System steht in einer politisch und medial konflikthaften Umwelt unter Druck. Dabei wird einerseits die Wissenschaft als institutionelles System infrage gestellt, andererseits aber auch die Geltung des wissenschaftlichen Wissens selbst. Begriffe wie “post-truth” oder “postfaktisch” prägen bereits seit gut 10 Jahren die Debatte und man kann einen Anstieg an Studien zu “fake news”, Desinformation oder Verschwörungstheorien beobachten. Daraus ergibt sich das Bild einer “Krise der Faktizität” und auch die Erwartungen an die Wissenschaftskommunikation sind dementsprechend hoch.

David Kaldewey, geschäftsführender Direktor des Instituts für Soziologie der Universität Bonn und Co-Sprecher des Rhine Ruhr Center for Science Communication Research (RRC), widmet sich in seinem Kurzbericht der Frage, was diese Krise überhaupt ausmacht und wie die Wissenschaftskommunikation ihr begegnen kann.

Er plädiert dafür, Wissenschaften in ihrer Komplexität zu kommunizieren, damit Kommunikator*innen nicht selbst in ein binäres ‚wahr‘/‚falsch‘-Schema verfallen, das der wissenschaftlichen Realität oft nicht gerecht wird. Für Kaldewey bedeutet Wissenschaftskommunikation mehr als reine Faktenvermittlung. Er zeigt vier Perspektiven auf, die in einer reflektierten Wisskomm-Praxis berücksichtigt werden sollten:

Fakten sind nicht binär, sondern mehrdimensional

Anders als populäre Fakten-Checks kann sich Wissenschaftskommunikation nicht allein auf die Unterscheidung zwischen wahr und falsch beschränken. Sie erläutert darüber hinaus Unsicherheiten, Wertbezüge sowie die Pluralität und Perspektivenvielfalt der Wissenschaften.

Unsicherheit kommunizieren, ohne strategisch zu vereinfachen

Unsicherheit ist konstitutiv für Wissenschaft. Gute Kommunikation macht sie sichtbar, ohne wissenschaftliche Befunde zu relativieren – und vermeidet gleichermaßen das strategische Ausspielen von Zweifel wie die vorschnelle Vereindeutigung.

Wertbezüge offenlegen, ohne sie dabei zu politisieren

Wissenschaftliche Aussagen sind stets auch wertgeladen. Gute Kommunikation macht diese Dimension transparent, ohne in die Verklärung einer vermeintlichen apolitisch-neutralen Wissenschaft zu verfallen oder umgekehrt Expertise auf bloße Politik zu reduzieren.

Pluralität aushalten statt vereinheitlichen

Wer nur nach „der“ wissenschaftlichen Position sucht, verkennt die Pluralität der Wissenschaften. Gute Kommunikation erweitert den Horizont und zeigt, was unterschiedliche Disziplinen jeweils beitragen – auch wenn dadurch Spannungen sichtbar werden.

Kurzbericht

Hier können Sie den vollständigen Kurzbericht herunterladen | Stand 28.04.2026

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